Wissen
Reicht der 5-Punkte-Check?
Wie ich vor dem Start checke, Punkt für Punkt.
Der SHV empfiehlt vor dem Start einen «strukturiert ausgeführten 5-Punkte-Check und einen Kontrollblick über die ganze Spannweite» (Swiss Glider 05/06 2026, S. 57).
Die Gedanken zu diesem Text sind im Gespräch mit Irène entstanden. Sie hat meinen Artikel über die Unfälle gelesen und mir geschrieben: Beim Material sei der 5-Punkte-Check zu wenig genau festgelegt. Irène kommt aus dem Höhlentauchen. Dort sind die Abläufe streng festgelegt. Die Checklisten sind wie in der Aviatik viel genauer und präziser. Für ihre Ausrüstung hat sie einen Check mit zwölf nummerierten Punkten. Kommt sie am Ende nicht auf zwölf, weiss sie, dass sie etwas vergessen hat.
Nummeriert habe ich meine Punkte bisher nicht. Es stimmt aber: So vergisst man nichts. Darum stehen sie hier mit Nummern. Man kann auch für verschiedene Modi eigene Checklisten machen.
Reicht der 5-Punkte-Check also? Für mich ist er das Gerüst. Was in jedem Punkt steckt, steht hier. Das ist meine Sicht der Dinge: wie ich das mache. Der Check am Startplatz ist das Ende einer Kette, die beim Packen beginnt. Ich habe eine eigene Checkliste. Sie läuft immer gleich ab. Erst alles an mir, dann die Technik, dann der Schirm, dann alles um mich herum, dann ich selbst. Vorbereiten und Checken laufen bei mir in derselben Reihenfolge: Jeden Punkt mache ich schon beim Vorbereiten, beim Check schaue ich ihn ein zweites Mal an.
Es fängt beim Packen an
Oft entstehen die Probleme schon beim Packen. Man nimmt sich keine Zeit. Dann ist ein Knoten drin, die Tragegurte sind nicht von den Leinen getrennt, etwas ist verdreht oder es hat einen Überwurf. Oder Material fehlt: das Vario nicht mitgenommen oder nicht geladen. Den Retter sauber verpacken, ohne Feuchtigkeit. Dazu kommen hundert andere Punkte. Aber vor allem: sich Zeit nehmen.

Scheuklappen
Am Startplatz gehe ich in den Modus Scheuklappen. Schon bei der Vorbereitung mache ich alles sehr genau. Nicht nebenbei, voller Fokus. Gespräche am Rand führe ich dann keine. Wenn jemand startet, interessiert mich das nicht. Spricht mich jemand an, sage ich: «Ich bin gleich bei dir, ich mache gerade meine Vorbereitung.»
Letztens ist in Interlaken ein Pferd mit Scheuklappen an mir vorbeigelaufen. Ich habe mir überlegt, wann Scheuklappen sinnvoll sind. Beim Vorbereiten sind sie es.


An mir
- Beingurte zu. Da hängt mein Leben dran.
- Beine frei: nichts verhängt mit dem Beschleuniger oder den Beinsackschlaufen. Der Blick ist eh schon unten.
- Retter befestigt und zu.
- Korrekt eingehängt, Beschleuniger eingehängt.
- Helm auf und zu.
Beingurte und Retter sind für mich die zwei wichtigsten Punkte. Meinen Retterabgang erzähle ich im Artikel «Warum verunfallen Erfahrene an guten Tagen?». Und auch mir lag schon eine Leine um den Beschleuniger. Ich musste das korrigieren.

Technik
- Vario mit Flarm und Fanet an und laut, mit der aktuellsten Firmware.
- Live-Tracking aktiviert (XC Track und burnair, über mobile Daten).
- Handy an und mit der Powerbank verbunden.
- Touchstift frei und griffbereit.
- Garmin inReach an, es sendet.
- Fotokamera und 360er: nichts verhängt an den Sicherungsleinen.


Am Schirm
- A-Leinen frei.
- Steuerleinen frei.
- Irgendwo Knoten?
- Kalotte und Ohren: Liegt der Schirm frei, ist etwas verdreht, gibt es einen Überwurf?
Auf die Leinen schaue ich schon beim Vorbereiten, mit voller Aufmerksamkeit.

Dann der Kontrollblick über die ganze Spannweite, wenn der Schirm steht.


Kontrollblick.
Um mich herum
- Luftraum.
- Wind: Fahnen, Wolken. Vor dem Start nochmals der Live-Wind.
- Live-Tracking, wenn es mich interessiert.
Pilot first
Kann ich mich auf einem Streckenflug nicht versorgen, also pinkeln, trinken und essen, ist der Flug auch schnell vorbei. Darum gehört das in den Check.
- Urinalkondom gut angelegt, der Schlauch nicht verdreht, er geht sauber raus.
- Trinkschlauch nicht verdreht und auf On.
- Snacks erreichbar.
- Handschuhe griffbereit. Meistens habe ich dünne und dicke dabei, wenn es heiss ist nur ein Paar.
- Buff, Brille.
Der letzte Punkt
- Will ich starten? Fühle ich mich gut?
Ich entscheide, wann ich starte. Nicht die anderen, die warten. Und ich starte nicht, weil ich fertig bin, sondern wenn ich starten will.
Vorwärts oder rückwärts?
Wenn ich starten will, kommt die zweite Entscheidung. Sie fällt mir immer wieder auf: die richtige Technik. Rückwärts im Steilen und Unebenen mit wenig Wind macht wenig Sinn. Vorwärts geht aus meiner Sicht bis 15 km/h Wind immer noch sehr gut, wenn man den Impuls nach hinten mitgeht und nicht dagegen arbeitet.
Links rückwärts, rechts vorwärts, am selben Hang.
Ein schöner Start
Ein schöner Start nach der Checkliste. Darum geht es uns doch.

Wie machst du das?
Wie checkst du vor dem Start? Und wie viele Punkte hat deine Liste? Schreib mir: info@streckenfliegen.com.
Woher das Wissen kommt
Die Empfehlung des SHV steht im Swiss Glider 05/06 2026 auf Seite 57, im Abschnitt «Startvorbereitung und Leinenknoten». Die Checkliste ist meine, die Idee mit den Nummern ist von Irène.






